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eBay's Strategiewechsel: weniger Flohmarkt, mehr so wie Amazon...

Posted by Martin von Hermanni in Category eBay, 07.05.08

Die neue Sortierung der Angebote im Sinne einer Kaufempfehlung, der Druck, Zahlungen ausschließlich über das eBay eigene Bezahlsystem durchzuführen und auch die Übernahme von Afterbuy in Deutschland sind deutliche Schritte, den eBay-Marktplatz am Modell Amazon zu orientieren.

Versucht eBay Amazon zu imitieren und so neue Kundengruppen zu erschließen, die den Marktplatz bislang gemieden haben?

Dies Könnte in Hinblick auf die Börsenentwicklung der beiden Unternehmen Sinn machen: während eBay sich 2007 mit dem Nasdaq entwickelt, erlebt Amazon einen Höhenflug (Kursentwicklung von eBay und Amazon im Verhältnis zum Nasdaq).

Im Jahresbericht für 2007 (eBay Inc. Annual Reports) wird Amazon explizit sowohl als Konkurrent für PayPal als auch für den eBay Marktplatz aufgeführt, wogegen Amazon im Jahresbericht für 2007 (Amazon.com Inc. Annual Reports) eBay gar nicht erwähnt. Bereits 2006 hatte eBay mit eBay Express ein weiteres Shopping Portal gestartet, in dem Zahlungen ausschließlich über eBay abgewickelt werden und ein gemeinsamer Warenkorb wie bei Amazon besteht.

eBay Express wurde rund ein Jahr nach Start in Deutschland wieder eingestellt. Der eindrucksvolle Misserfolg dieser Plattform, hat jedoch beim eBay Management anscheinend nicht zum Überdenken der strategischen Ausrichtung geführt, sondern dazu, das Rezept auf den eBay Marktplatz selbst anzuwenden.

Im Jahresbericht 2007 heisst es dazu:

"If we are unable to change our services in ways that reflect the changing demands of the ecommerce marketplace, particularly the higher growth of sales of fixed-price, new in-season items,our business will suffer." (eBay Inc. Annual Report 2007, Seite 24)

Tatsächlich war eBay Express von Anfang an mit dem Makel behaftet, nur einen kleinen Ausschnitt des eBay Angebots (Festpreisangebote von bestimmten Powersellern) zu spiegeln, und damit ausgerechnet einen weniger interessanten Teil des Angebots bei eBay. Der groß beworbene Vorteil eines Warenkorbs für alle Käufe existierte in der Praxis auch nicht, da Versandkosten trotzdem von jedem Verkäufer extra berechnet wurden und man bei eBay ohnehin in der Regel eher einzelne Artikel kauft. Hinzu kam noch die Marketing Panne, eBay Express als "sicher und bequem online einkaufen" zu bewerben und damit eBay im Umkehrschluss als unsicher und unbequem zu stigmatisieren.

Dieses Stigma, dass eBay eine Räuberhöhle sei, hängt dem Marktplatz seit eh und je an. Erstaunlicherweise hat dieses Image aber den spektakulären Erfolg des Marktplatz nicht verhindern können. In Wahrheit ist dieses Image die Kehrseite der Medaille des speziellen Erfolgs von eBay. Nirgendwo sonst sind die Voraussetzungen, selbst etwas zu verkaufen so niedrig und die Grenze zwischen Geschäft und Hobby so fließend wie bei eBay. eBay war von Anfang als Community und als Flohmarkt konzipiert und bis Heute läd eBay ganz anders als beispielsweise Amazon dazu ein, unabhängig von einem konkreten Kaufinteresse den Marktplatz aufzusuchen.

Entsprechend verschieden dürfte das Nutzungsverhalten der eBay und Amazon Kunden sein: Während bei Amazon der reibungslose Erwerb eines Artikels im Vordergrund steht, findet der eBay Nutzer einmalige Gelegenheiten, solange er Zeit mitbringt. Das eBay Standardangebotsformat, mit dem 60% der Umsätze bei eBay erzielt werden, ist die Auktion mit fester Laufzeit. Das Spezielle an diesem Angebotsformat ist, dass der einzelne Kaufinteressent in der Regel nicht jetzt kaufen kann, wenn er es gerne möchte, sondern erst zu einem späteren Zeitpunkt, sofern er nicht überboten wurde. Der Einkauf wird also zur Nebensache eines Spiels, das Gewinner und Verlierer hat.

Besonderen Reiz haben bald endende Angebote, deren aktuelles Höchstgebot deutlich unter dem vermutlichen Wert des Artikels liegt. Die alte Standardsortierung trug dem Rechnung, insofern die bald endenden Angebote ganz oben aufgelistet wurden und so zu Spontankäufen in letzter Minute aufgrund subjektiver Bewertungen anregt.

Die neue Standardsortierung nach "beliebtesten Artikeln", bzw. in Wahrheit ja den beliebtesten Verkäufern stellt nun nicht mehr das Endedatum und damit den Zeitfaktor und den Spontankauf zum erhofften Schnäppchenpreis in den Vordergrund, sondern wie schon bei eBay Express das Festpreisangebot vom geprüften Verkäufer. Weder die oft hoch interessanten Artikel von Privatleuten noch gerade eben auslaufende Angebote mit Höchstgebot weit unter Wert  tauchen mehr vorne auf. Insgesamt wird das für die Käufer interessanteste Angebotsformat, die Auktion mit fester Laufzeit und niedrigem Startpreis, für die Verkäufer zu einem unkalkulierbaren Risiko .

Anstelle neue Kundengruppen zu erschließen sind die aktuellen Änderungen geeignet, das Gegenteil zu bewirken und sowohl Käufer wie Verkäufer bei eBay zu frustrieren - ein Risiko das der Jahresbericht 2007 im Übrigen klar benennt:

"In January 2008, we announced significant changes to our Marketplaces ... These changes have been controversial with many of our sellers. If these changes cause sellers to move their business away from our websites or otherwise fail to improve gross merchandise volume or the number of successful listings, our operating results and profitability will be harmed." (eBay Inc. Annual Report 2007, Seite 24)

Comments

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