eBay's beliebteste Artikel: Die neue Standardsortierung
Nachdem am 29. Januar 2008 der Geschäftsführer für eBay Deutschland Dr. Stefan Groß-Selbeck über wichtige Änderungen auf dem Online-Marktplatz informiert hatte, erfolgt seit dem 20.2. 2008 die Standardsortierung für Suchergebnisse bei eBay nicht mehr nach dem Angebotsende, sondern nach diversen Relevanzkriterien, die Dr. Groß-Selbeck wie folgt umriss:
"Die Relevanz eines Angebots hängt vor allem davon ab, wie oft gleiche oder ähnliche Angebote in der Vergangenheit gekauft, beboten oder beobachtet wurden. So kommen jedem Käufer die Entscheidungen und Erfahrungen seiner Vorgänger zugute. Natürlich fließen auch Angebotsformat, Preis und weiterhin die Restdauer des Angebots in die Sortierung ein. So finden Käufer noch schneller die für ihre Anfrage passenden Angebote." (eBay Community News: Änderungen auf dem deutschen Marktplatz vom 29. Januar 2008 ).
Diese Kriterien (Beobachter, Artikelbewertung etc.) in einer Sortierung der Suchergebnisse zu verwenden klingt ausgesprochen interessant, aber funktioniert die neue Suche tatsächlich in dieser Weise? Das wollte ich mir genauer ansehen.
Die Kategorie Möbel & Wohnen Sofas & Sessel Sofagarnituren liefert für meine Auswertung 4260 Angebote von insgesamt 1989 verschiedenen Anbietern zurück.
Das Suchergebnis mit der Sortierung, welches Angebot bald endet (Tabelle #1), lieferte unter den ersten 50 Treffern Angebote von 46 verschiedenen Anbietern, 44 Auktionen zu einem Drittel ab 1 EUR. Mit der neuen Standardsortierung "Beliebteste Artikel" (Tabelle #2) erhalte ich nur noch Angebote von 12 verschiedenen Anbietern, 20 Auktionen und nur 3 davon ab 1 EUR, der Rest alles mit drei oder vierstelligem Startpreis - alles bis auf eine 1 EUR Auktion ohne Gebote übrigens. Nur zwei Anbieter sind in beiden Suchergebnissen unter den ersten 50 Ergebnissen.
Ebay selbst hat in einem Newsletter (Volltext der eBay News vom 29. April 2008) mehr oder weniger offen gelegt, dass die Suche im Grunde nach Anbieter sortiert und weniger nach Artikel. Sucht man bei eBay nach den Angeboten zweier Verkäufer, sortiert nach "Beliebteste Artikel" ist das Suchergebnis direkt nach Verkäufer sortiert und innerhalb der Angebote eines Verkäufers nur nach der Endezeit des Angebots (wer es nicht glaubt, kann die eBay Suche hier testen).
Verglichen mit der Raffinesse der Google Suche, ist die Umsetzung der neuen eBay Standardsuche altbacken und die Bezeichnung "Beliebteste Artikel" ein Etikettenschwindel. Die Kaufaktivtät in der Vergangenheit bezogen auf bestimmte Artikel mit z.B. ähnlichem Titel und die Anzahl der Beobachter eines Artikels, alles also, was einen interessanten Artikel kennzeichnet, spielt entgegen dem Versprechen des eBay Geschäftsführers Dr. Stefan Groß-Selbeck gar keine Rolle. Nur die Verkäufer haben einen gewissen Bonus, ganz egal welche Artikel sie gerade anbieten.
Der angebliche Vorteil der Suche, dass die besonderen Schnäppchen für den Sucher aus der Masse der Powerseller Angebote hervorgehoben werden und so mehr Auswahl auf den ersten Seiten der Suche erscheint ist überhaupt nicht gegeben und das Gegenteil ist der Fall.
Bald endende Angebote ab 1 EUR, also solche Angebote, die ein besonders aggressives Preis/Leistungsverhältnis haben können, werden weit nach hinten verschoben und die Wahrscheinlichkeit, dass man gleichartige Angebote vom selben Anbieter gehäuft angezeigt bekommt steigt gerade.
Aus den DSRs der besonders gepuschten Anbieter (Tabelle #3) geht zudem noch nicht einmal hervor, weshalb der eine Anbieter interessantere Angebote haben sollte als solche, die weit herabgestuft wurden, der Vorteil für den Schnäppchenjäger bleibt rätselhaft.
Die Konsequenzen für die Anbieter sind dagegen erheblich: Das Angebotsformat ab 1 EUR lebt von den Bietern der letzten Minuten. Sind innerhalb dieser Minuten die Angebote auf den hinteren Plätzen der Suche versteckt, werden zwar die frühen Bieter belohnt, da sie nun den Zuschlag zu einem besonders niedrigen Betrag erhalten, ein eBay-spezifisches Geschäftsmodell, das bedingungslos auf das Spiel von Angebot und Nachfrage setzt bleibt jedoch dabei auf der Strecke.